2 - Der Schatz des Duce - Mig Phoenix

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 2. Der Schatz des Duce
  
Wer hat es vergessen? Bestimmt niemand! Obwohl – hier in der Region wurde der Fall eigentlich nicht richtig bekannt. Denn durch den Eisernen Vorhang drangen die Meldungen im Jahr 1980 kaum in den Osten vor und wegen der Sprachbarriere auch nur in geringem Maß über die Alpen. Aber in Italien war die Halbinsel Wustrow in jenem Jahr in aller Munde.
Alles begann im Frühjahr 1980, als der italienische Heimatforscher Claudio Cannavaro aus der toskanischen Stadt Grosseto im kleinen Fischerort Castiglione della Pescaia den Nachlass von Mauro Franchitti sichtete. Das Besondere daran: Jener Mauro Franchitti war kurzzeitig Sekretär des Duce gewesen, des italienischen Diktators Benito Mussolini.
Und hier kommt jetzt Wustrow in Spiel. Denn Franchitti war just zu jener Zeit Sekretär des Duce, als dieser die Halbinsel besuchte und dort Hitler traf. Aber am besten folgen wir der Übersetzung von Cannavaros Bericht, der am 4. November 1981 in der Tageszeitung IL TIRRENO erschien:
 
„Eine Sensation enthüllen die Aufzeichnungen des ehemaligen Sekretärs des Duce, Mauro Franchitti. Denn wenn seine Angaben zutreffen, muss auf Wustrow, einer Halbinsel vor der Ostseeküste des Deutschen Reiches, zwischen Wismar und Rostock gelegen, noch immer ein gewaltiger Schatz verborgen sein. Franchittis Tagebucheintrag vom 24. September 1937:
 
‚Gut, dass ich es wenigstens meinem Tagebuch anvertrauen kann: Langsam nerven mich diese ständigen Besuche von militärischen Übungsplätzen. Heute war wieder einer. Und morgen dann wieder in den Zug und es geht zu einer Station namens Kröpelin.
 
Da Franchitti den meisten Teil seines Lebens in und um seine Heimatstadt an der Küste des Mittelmeers verbracht hatte, vermisste er die ländliche Region und die Nähe zum Tyrrhenischen Meer.

Benito Mussolini, genannt Il Duce.
Hat der italienische Diktator einen Schatz antiker Goldmünzen auf Wustrow vergraben?
Wenigstens komme ich in die Nähe des Meeres und höre wieder die Wellen rauchen. Ich vermisse Castiglione, die Altstadt auf dem Berg und der weite Blick über das Delta der Bruna. Also morgen wenigstens Meer.’
 
Die nächsten Eintragungen stammen dann vom folgenden Tag und schildern den Besuch der beiden Diktatoren auf der Wustrow genannten Halbinsel, die seit einigen Jahren ein großer deutscher Luftwaffenübungsplatz war:
 
‚Sind wie geplant mit dem Zug nach Kröpelin gefahren, dort erwarteten uns die großen offenen Limousinen, teils Mercedes, teils Horch. Mir wurde die Ehre zu Teil, im Wagen gleich hinter dem Duce fahren zu dürfen, der mit diesem Hitler das größte Auto hatte.’
 
Im Folgenden beschreibt Franchitti die Fahrt nach Wustrow und ist verwundert über das zahlreiche Sicherheitspersonal. Auch berichtet er von Plänen, denen zu Folge die Deutschen ursprünglich die Idee hatten, den ganzen Ort Alt Gaarz durch einen großen Zaun komplett von der Außenwelt abzuschließen. Aber letztlich hatte wohl die Vernunft gesiegt und man hatte sich mit der normalen Kasernenabsperrung am so genannten Wustrower Hals, der schmalsten Stelle zwischen dem Festland und der Halbinsel, begnügt. Hören wir weiter, was Franchitti berichtet:
 
‚Nachdem wir auf dem Übungsplatz angekommen waren, das übliche Ritual. Der Duce, sein Gastgeber und dessen für die Luftwaffe zuständige Minister Göring nahmen die Militärformation ab. Ich durfte im gebührenden Abstand von etwa 20 Metern gemeinsam mit einigen deutschen Amtskollegen den hohen Herren folgen.’“
 
Zwei Bilder aus Bathursts Archiv belegen den Ausflug. Das eine zeigt den Autokonvoi mit Mussolini und Hitler im ersten Wagen bei der Durchfahrt im damals noch Alt Gaarz genannten Rerik. Am rechten Bildrand der zweite Wagen, auf Franchittis Original findet sich mit Tinte ein Pfeil, der auf das Auto weist und das handschriftliche Wort „Io“, also „ich“.
 
Auf dem zweiten Bild sieht man Göring Hitler und Mussolini bei der Abnahme der Militärformation. Auf Franchittis Bild weist ein Pfeil nach links aus dem Bild heraus und trägt ebenfalls den Vermerk „Io“.
 
Der Konvoi fährt durch Alt Gaarz. Franchitti hat auf dem Bild die Positionen des Duce sowie seine eigene notiert
Abnahme der Formation durch Göring, Hitler und Mussolini. Auch hier verweist Franchitti auf die Positionen
 
Zurück zum Zeitungsartikel von Claudio Cannavaro im IL TIRRENO:
 
Schon während des offiziellen Empfangs wurde es ersichtlich, dass der Duce und der Führer großes Interesse an der Karte von Wustrow zeigten.
 
„Es kam zum inoffiziellen Teil: ‚Nach den Formalitäten zogen sich der Duce und dieser Deutsche in eines der Gebäude zurück, nur ich und mein teutonisches Gegenüber durften sie begleiten. Und das Gespräch barg auch für mich eine riesige Überraschung, denn nun wurde mir klar, was sich in dieser riesigen Kiste verbarg, die uns schon auf der gesamten Reise streng bewacht begleitet hatte: Antike römische Goldmünzen von unermesslichen Wert.’
 
Franchitti schildert ausführlich den Plan des italienischen Tyrannen, der sich für seine persönliche Altersvorsorge und für den Fall eines Staatsstreiches absichern wollte. Laut Franchitti soll Hitler gesagt haben: ‚Und ich helfe selber beim Graben’. Anschließend seien die beiden alleine in einem Lieferwagen mit den Kisten losgefahren, den kompletten Übungsplatz hatte man abgesperrt, damit niemand wusste, wo die zwei ihre Spaten ansetzten.“ Nach etwa drei Stunden kehrten die Schatzgräber in die Offiziersmesse von Wustrow zurück.
 
Mauro Franchitti verließ drei Monate später die Dienste des Duce, schloss sich mit Kriegsbeginn dem Widerstand an, überlebte als mehrfach ausgezeichneter Kriegsheld und starb am Heiligabend, 24. Dezember 1979, im Alter von 84 Jahren in seinem Heimatort Castiglione della Pescaia.
 
Aber das, was die beiden Diktatoren eventuell auf Wustrow vergraben haben, war noch nicht ganz dem Licht der Öffentlichkeit entrückt. Aber diesmal führt die Spur vom mediterranen Süden weit in den Osten des Kontinents, sprich nach Moskau.
 
Denn der Schatz wurde noch einmal erwähnt, nämlich am 5. Dezember 1993 in einer kleinen Meldung in der Prawda: „Schatz auf Wustrow endgültig verloren“ titelt da der russische Journalist Dimitri Donskoi. In knappen Worten schildert er die Vorgeschichte des Schatzes mit Verweis auf den italienischen Zeitungsartikel von Claudio Cannavaro, der zwei Jahre später durch den KGB Agenten Wladimir Punting bis in die Sowjetunion durchgedrungen war. Auf Wustrow hatte dies wohl dazu geführt, dass Soldaten immer wieder auf die Jagd nach dem von den Russen Duce-Schatz genannten Objekt gingen. Vergebens.
 
Auch Belohnungen seitens aufstrebender russischer Multimillionäre - die den Schatz spenden wollten, um für Spartak Moskau die besten Fußballspieler der Welt zu kaufen – brachten keinen Erfolg. Und dann wurde die Halbinsel an Deutschland zurückgegeben. Aus für Russland.
 
Bis heute wartet die Welt also auf den großen Fund. Fundus, der heutige Eigentümer, hat die Halbinsel vor einiger Zeit völlig für die Öffentlichkeit gesperrt und in Anbetracht von vielen die sich auf der Jagd nach dem Schatz sonst selbst durch die Munitionsreste gefährden würden, ist diese Maßnahme wohl auch mehr als angemessen.
 
© Mig Phoenix 2007
 
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